06.04
Anja war mein erstes Model, als ich begonnen habe, mich intensiver mit der Fotografie auseinander zu setzen. Auch wenn unsere Wege sich heute nur noch sehr selten kreuzen, treffen wir uns immer noch etwa einmal im Jahr zu einem Shooting. Vor einigen Wochen war es wieder einmal soweit. Dieses Mal sind wir in den Wald gegangen.
Das Thema des Shootings setzte sich aus Anleihen bei der Domination/Submission-Szene, verbunden mit einer voyeuristischen Beobachtungsszenerie im Wald, zusammen. Was jetzt etwas kantig klingt, bestand einfach daraus, dass ich bei einem Teil der Bilder den Eindruck erwecken wollte, der Betrachter wäre ein heimlicher Beobachter. Angefangen haben wir jedoch mit Portraitaufnahmen, die den Grundstein für die darauf aufbauenden Bilder legten. Für die heimlichen Beobachtungsbilder habe ich einfach durch Büsche oder das Unterholz hindurch fotografiert. Die Äste und Zweige im Vordergrund störten den gewohnten Bildaufbau und verliehen ihm einen voyeuristischen Charakter.
Technisch gibt es so viel nicht zu sagen. Fast alle Bilder entstanden mit 50mm und 135mm Objektiven. Die längere Brennweite hat sich hierbei zum ersten Mal für Ganzkörperaufnahmen bewährt. Sie gibt die Proportionen sehr viel gefälliger wieder als das hierfür doch schon kurze 50mm. Das sehr diffuse, blasse Waldlicht habe ich mit einem entfesselten Blitz und einer kleinen Softbox etwas aufgehübscht, wobei ich sehr zufrieden feststellen muss, dass die Farben des Waldes nicht, wie sonst so oft, sehr blass rüberkommen, sondern durchaus als satte Grün- und Brauntöne.
Anjas Beteiligung war, wie jedes Mal, sehr unterhaltsam, ein wenig anstrengend und sah manchmal eher lust, denn verführerisch aus. Interessanterweise kreuzte nicht weit von uns entfernt ein Mann mit Hund und umrundete uns im Laufe des Shootings an mindestens drei Seiten. Zufall? Zumindest bei ihm scheint es gewirkt zu haben.
Nach zwei Stunden wurde es dann langsam dunkel und Anja war ausreichend durchgefroren, so dass wir uns erst mal wieder auf den Heimweg gemacht haben – bis es nächstes Jahr wieder losgeht.