2012
03.10

Moderate Weitwinkelfestbrennweiten sind sicher nicht die meistgekauftesten Objektive. Es gibt eine ganze Reihe von ihnen und wenn man von lichtstarken Premiumlinsen wie dem EF 24mm f1.4 absiehst, scheinen sie mir auch alle nicht besonders attraktiv – es sei denn, man hat einen besonderen Faible für Objektive mit eigentümlichem Bokeh und dem Freistellen im Weitwinkel.

Ich kam zum Sigma 28mm f1.8 aus zwei Gründen: Ich suchte ein günstiges Weitwinkel für den von mir seinerzeit wenig genutzten Bereich unterhalb von 50mm (am Kleinbildsensor) und ich wollte damit auch noch freistellen können. Aus letzterem Grund und weil ich gerade in einer Phase war, wo ich glaubte, nur mit Festbrennweiten umgehen zu können, entschied ich mich gegen ein “dunkles” f2.8er-Zoom und für diese Festbrennweite. Sie war günstig, was mir wichtig war, weil ich gerade meinen ganzen Objektivpark von der Crop-400D auf die Kleinbild-5D umstellte und ich nicht groß Geld für einen Brennweitenbereich ausgeben wollte, den ich nur sehr selten nutzte. Zwar gibt es noch preiswertere Weitwinkelfestbrennweiten mit einer Lichtstärke von f2.8, aber da ich, wie gesagt, auch noch freistellen können wollte, musste es schon etwas mit <f2 sein.

Nun, was kann das Sigma? Es kann, was drauf steht, nicht mehr und nicht weniger. Am Kleinbild ist es eine klassische Reportagebrennweite – gut vergleichbar mit den 17mm, die ich bis dahin am Crop gewohnt war. Es ist bei Offenblende ziemlich flau in der Farbwiedergabe, was sich aber durch abblenden beheben lässt und es ist am Rand alles andere als scharf. Die Mitte hingegen ist festbrennweitentypisch ziemlich gut. Es verzeichnet und bei offenen Blenden vignettiert es auch ordentlich, aber das sehe ich nicht als großen Nachteil, schon gar nicht, seitdem es für fast alle Objektive Korrekturprofile gibt. Das Bokeh ist auf eine skurrile Weise flirrig und durch die Weitwinkelperspektive eignet es sich für ziemlich schräge Kopfportraits (allerdings nicht für solche, die vorteilhaft wirken sollen ;) ).

Mein Exemplar wies darüber hinaus gelegentlich eine unangenehme Dezentrierung auf. Ich kann nicht genau sagen, wann es auftrat, weil es das nicht immer tat, aber unter bestimmten Bedingungen war die rechte Hälfte des Bildes so unscharf, das man es sogar auf normaler Ausgabegröße deutlich sehen konnte. Dies hat mich einige gute Aufnahmen gekostet, obwohl ich versucht habe, sie nach Möglichkeit trotzdem verwendbar zu machen und führte, zusammen mit meinem aufkommenden Faible für Landschaftsfotografie, für den ich einfach mehr Weitwinkel brauchte, dazu, dass ich es wieder abstieß. Mittlerweile weiß ich in diesem Brennweitenbereich doch etwas mehr Flexibilität zu schätzen und verzichte dafür auf einige Blenden Lichtstärke, da ich diese eigentlich so gut wie nie ernsthaft genutzt habe.

Nichtsdestotrotz ist es ein schönes, leichtes Objektiv, welches mir bei so mancher abendlicher Sitzung im letzten Abendlicht Gesellschaft geleitet hat. Es hat einen ganz eigenen Abbildungscharakter und es macht mich neugierig, wie wohl das Sigma 20mm f1.8 bei Offenblende so aussehen muss. ;-)

Ein Kuriosum noch zum Schluss: Kann mir jemand erklären, ob die Entwickler des Objektivs betrunken waren oder ob es einen Grund gibt, wieso man zum Umschalten von Autofokus auf manuellen Fokus den üblichen AF/MF-Schalter umlegen und dazu auch noch den Fokusring wie beim Tamron 90mm zurückziehen muss? Bei allen anderen Objektiven, die ich kenne, gibt es entweder das eine oder das andere, aber beides zusammen macht es doch nur unnötig kompliziert. Wer etwas weiß, der verrate es mir bitte.

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