02.11
Makrofotografie – Eine ganz eigene Welt. Wer ist nicht fasziniert von diesen bizarren Aufnahmen winziger Insekten und der Schönheit wolkenkratzerartiger Blütenstaubgefäße? Es ist eine beeindruckende Welt – doch ohne ein spezielles Makroobjektiv bleibt sie dem normalen Fotografen meist verborgen.
Ich wollte diese Welt kennen lernen und so stand ich vor der Entscheidung, welches der vielen Makroobjektive, die für mein Kamerasystem angeboten werden, ich wählen sollte. Viele Foreneinträge und Testberichte später habe ich eines ausgewählt und heute weiß ich: es ist fast egal. Macht euch keinen Kopf! Am besten ihr überlegt, was ihr außer Makros noch damit machen wollt, denn Makros können sie alle.
Bei mir fiel die Entscheidung auf das Tamron SP AF Di 90mm f2.8 Makro. Ausschlaggebend war die Forenaussage, es habe die beste Schärfe und das schönste Bokeh von allen, vor allem im Vergleich mit dem 100mm-Canon. Ich muss allerdings zugeben, ich habe auf den Beispielbildern nie einen Unterschied erkennen können. Es war außerdem günstiger als das Canon.
Die Eckdaten sagen aus, dass es sich um ein Makroobjektiv mit dem Abbildungsmaßstab 1:1 handelt, was besagt, dass ein Objekt, welches man fotografiert, beim Fokussieren an der Naheinstellgrenze auf dem Sensor genauso groß erscheint, wie es in Wirklichkeit ist. Auf einem Kleinbild-Sensor kann man also maximal ein Motiv von 24x35mm Größe im Maßstab 1:1 abbilden. Dies unterscheidet echte Makroobjektive von vielen Telezooms mit Makrofunktion, die nur einen Abbildungsmaßstab von 1:2 oder 1:4 erlauben. Ansonsten hat das Tamron wie die meisten Makros in diesem Brennweitenbereich eine Lichtstärke von f2.8.
Die Verarbeitung ist in Ordnung, kein Metallgehäuse, aber bislang hat es alles tadellos überstanden. Die Umschaltung von Autofokus auf manuellen Fokus erfolgt, indem man den Fokussierring nach hinten zieht. Ist er vorn, kann man bei eingeschaltetem Autofokus die Fokussierung nicht verstellen, wie das bei normalen Objektiven, bei denen man immer am Ring drehen kann, manchmal mit einem unangenehmen Geräusch des Fokusgetriebes geschieht. Ansonsten hat es einen Fokuslimiter, der dem Autofokus vorgibt, nur den “normalen” Fokusbereich zu durchfahren, was sehr wichtig ist, wenn man z.b. ein Portrait machen will und sich der Autofokus mal wieder dafür entscheidet, in die falsche Richtung zu fahren. Da es sich bei ihm um keinen Ultraschallmotor handelt, dauert das Durchlaufen des gesamten Fokuswegen nämlich seeehr lange.
Bei der Makrofotografie selbst ist der Autofokus ziemlich egal. Ich fokussiere fast immer manuell. Durch den langen Fokusweg bei Makroobjektiven geht dies auch viel besser, als bei “normalen” Objektiven, die meist nur eine viertel Umdrehung des Fokusrings von der Naheinstellgrenze bis unendlich durchlaufen. Bei Naheinstellgrenze ist man schon ziemlich nah am Motiv, so etwa 10cm ab Objektivende. Da die Frontlinse sehr weit im Objektiv liegt, kann man sorglos die Streulichtblende abnehmen, ohne Flares befürchten zu müssen.
Trotz dass ich dieses Makroobjektiv besitze, bin ich bislang nur sehr oberflächlich in die Materie eingedrungen. Im Sommer ab und zu mal ein Bild, aber viel mehr wird es doch nicht. Zum Glück ist es ein wunderbares Objektiv für Kopfportraits und so kommt es doch recht regelmäßig zum Einsatz. Ach und: meine Freundin liebt es. Wahrscheinlich macht sie bald mehr Makroaufnahmen damit als ich.
Bislang konnte ich noch keinen echten Nachteil entdecken und so ist mein Fazit sehr positiv. Soweit ich aber gelesen habe, nehmen sich die Makroobjektive alle nicht viel und so bleibt es jedem selbst überlassen, ob er das Tamron nimmt oder lieber eines der vielen Canons, Tokins und was es sonst noch alles gibt. Für mich ist es auf jeden Fall eine echte Empfehlung!
Jetzt aber endlich Bilder!